Medizininformatik in Deutschland

Friedrich-Schiller-Universität Jena

Projektpartner im Konsortium SMITH

Neben einer großen Fülle tabellarischer (sog. „strukturierter“) Daten – z.B. Laborwerte aus den Blutuntersuchungen – dokumentieren Kliniken für jeden Patienten medizinische Beobachtungen, Befunde, Verdachtshypothesen, Diagnosen sowie Therapieempfehlungen in sprachlicher Form (man spricht hier auch von sog. „unstrukturierten“ Daten). Diese Berichte speichern sie in klinischen Informationssystemen als „Dokumente“ ab. Der Umfang dieser unstrukturierten Daten wächst im Laufe längerer oder mehrerer Klinikaufenthalte eines Patienten so stark an, dass die behandelnden Ärzte die gesammelten Informationen kaum noch überblicken können. In diesem Datenberg ist ein zielsicherer Zugriff auf wichtige Informationen über den Patienten oft nicht möglich. Hier setzen die Forschungsarbeiten der Universität Jena im Rahmen des SMITH-Projekts an.
Dank der enormen Fortschritte bei der automatischen Sprachanalyse (Computerlinguistik), einem Gebiet, in dem sich Sprachwissenschaften (Linguistik), Informatik und Künstliche Intelligenz inhaltlich überschneiden, können Computer heute klinische Berichte zusehends automatisch auf einem Niveau „verstehen“, das dem Sprachverständnis von Medizinern, also menschlichen Experten, nahekommt. Computerlinguistische Software interpretiert dabei die unstrukturierten Textdaten auf inhaltliche Weise, extrahiert das darin enthaltene medizinische Wissen und bindet es strukturiert in klinische Informationssysteme ein. Der Vorteil für die behandelnden Mediziner liegt auf der Hand: Sie können dadurch per Computer auf alle in natürlicher Sprache kodierten Informationen einfach und gezielt zugreifen. Dadurch können sie alle prinzipiell verfügbaren klinischen Informationen in ihre ärztlichen Entscheidungen einbeziehen, um ihre Patienten bestmöglich zu behandeln.
Das „Jena University Language & Information Engineering Lab“ an der Universität Jena – kurz JULIE Lab genannt – ist eine Forschungsgruppe, die auf solche automatischen Textanalysen im Kontext der Biologie und Medizin spezialisiert ist. Im SMITH-Konsortium entwickelt das Jenaer Expertenteam um den Computerlinguisten Prof. Udo Hahn zusammen mit dem Industriepartner Averbis GmbH innovative computerlinguistische Lösungen, die klinische Dokumente vollautomatisch analysieren und verstehen können, um so den zielsicheren Zugriff auf wichtige Informationen über den Patienten zu möglichen.

JULIE Lab

Videos

Die Medizininformatik-Initiative des BMBF – Daten gemeinsam nutzen

Mit rund 160 Millionen Euro fördert das BMBF von 2018 bis 2021 die digitale Vernetzung von Universitätskliniken und Forschungseinrichtungen. Der Animationsfilm zeigt, wie die Medizininformatik dazu beitragen wird, Krankheiten besser zu verstehen und wirkungsvoller zu behandeln. © BMBF


Medizininformatik: Ein Schatz, den es zu heben gilt

Das Deutsche Zentrum für Neurodegenerative Erkrankungen (DZNE) zeigt schon heute, wie die Digitalisierung die medizinische Forschung stark verändert. Hier sucht man mithilfe von Datenanalysen nach Wirkstoffen gegen Alzheimer oder Parkinson. © BMBF