Medizininformatik in Deutschland

Institut für Medizinische Informatik
Göttingen

Projektpartner im Konsortium HiGHmed

Die Universitätsmedizin Göttingen integriert das Universitätsklinikum und die Medizinische Fakultät mit dem Ziel, Patientenversorgung, Forschung und Bildung in regionaler, nationaler und internationaler Zusammenarbeit voranzubringen.
Auf der Basis seiner langen Tradition in Forschung und Lehre baut das Institut für Medizinische Informatik der UMG seit 2016 als Bereich ein Medizinisches Datenintegrationszentrum, kurz MeDIC, auf. Das MeDIC dient als Drehscheibe für Innovationen in der klinischen Forschung und Versorgung: Es führt biomedizinische Daten qualitätsgesichert zusammen und macht diese für die klinische Forschung nutzbar – lokal sowie standortübergreifend. Ziel ist es, durch die Forschungsergebnisse die Patientenversorgung konkret zu verbessern. Anwenderfreundliche Werkzeuge sollen die Patienten künftig aktiv einbeziehen. Sie erhalten beispielsweise die Möglichkeit, ihre medizinischen Daten und deren Analyseergebnisse einzusehen, selbst erfasste Daten einzubringen und die Nutzung ihrer Daten für die Gesundheitsforschung freizugeben. Für das Anwendungsbeispiel Kardiologie hat die UMG im HiGHmed-Konsortium die medizininformatische Federführung. Die medizinische Leitung der Anwendungsbeispiele Infektionskontrolle und Onkologie liegt ebenfalls bei der UMG, letztere zusammen mit dem Universitätsklinikum Heidelberg.
Das UMG MeDIC koordiniert das gemeinsame Lehr- und Schulungsprogramm von HiGHmed. Das Programm entwickelt neue Lehrmodule für die Medizininformatik sowie die Aus- und Fortbildung von Forschern, Ärzten und Vertretern anderer Gesundheitsberufe. Unter Beachtung des Datenschutz und des Qualitätsmanagements – und auch des Risikos von Daten-Fehlinterpretation – lernen sie hier, vernetzte gesundheitsbezogene Daten für klinische Entscheidungen zu nutzen.

Universitätsmedizin Göttingen
Institut für Medizinische Informatik

Onkologie

Der Anwendungsfall Onkologie zielt darauf, die therapeutischen Möglichkeiten bei Patienten mit bösartigen Tumoren von Leber, Gallenwegen und Bauchspeicheldrüse (Pankreas) zu prüfen und zu verbessern. Nach patientenindividueller Analyse der molekularen und klinischen Eigenschaften des jeweiligen Tumors soll die Therapieentscheidung in einem standortübergreifenden Tumorboard erfolgen. In einem Tumorboard besprechen Ärzte verschiedener Fachrichtungen und Forscher die Therapieoptionen und -entscheidungen gemeinsam. Damit dafür an allen Standorten alle relevanten Informationen verfügbar sind, führen die Datenintegrationszentren alle Informationen zusammen.
Mit innovativen Analysemethoden sollen Daten wie Laborwerte oder radiologische und molekulargenetische Befunde ausgewertet und auf nutzerfreundlichen Bedien-Oberflächen anschaulich dargestellt werden. Bei ihrer Therapieentscheidung berücksichtigen die Ärzte neben Wissen aus ähnlichen Fällen und aktuellen Erkenntnissen aus der Forschung auch, wie es dem Patienten körperlich und psychisch geht. Dessen Lebensqualität bewerten sie dabei systematisch mithilfe von Fragenbögen und Skalen. Für diesen onkologischen Anwendungsfall von HiGHmed hat die UMG zusammen mit dem Universitätsklinikum Heidelberg die medizinische Federführung.

Kardiologie

Beim Krankheitsbild Herzinsuffizienz gibt es eine Gruppe von Patienten, deren Zustand sich immer weiter verschlechtert. Diese Patienten sollen künftig früher erkannt und gezielter behandelt werden. Ob ein Patient zu dieser Risikogruppe gehört, lässt sich derzeit kaum vorhersagen. Das will das HiGHmed-Konsortium ändern. Unter besonderer Berücksichtigung von Datenqualität, Datenschutz und ethischen Richtlinien soll das Datenintegrationszentrum der UMG medizinische Informationen von Patienten über einen längeren Zeitraum erfassen, zusammenführen und auswerten. Risikopatienten sollen dadurch frühzeitig erkannt werden. Dadurch können Ärzte jenen Phasen entgegenwirken, in denen sich der Zustand des Patienten verschlechtert. Für dieses kardiologische Anwendungsbeispiel hat die UMG im HiGHmed-Konsortium die medizininformatische Federführung. Dabei nutzt sie ihre umfangreichen methodischen Erfahrungen aus der Zusammenarbeit mit dem Deutschen Zentrum für Herz-Kreislauf-Forschung.

Infektionskontrolle

Übertragungen und Ausbrüche von Keimen in Krankenhäusern sollen wirkungsvoller bekämpft werden. Sie sind ein erhebliches medizinisches Problem – sowohl für die Betroffenen als auch für die Bevölkerung im Allgemeinen. Das Konsortium HiGHmed entwickelt daher ein computerbasiertes Frühwarnsystem, das solche Ausbrüche rechtzeitig erkennen soll.
Dafür werden in den Datenintegrationszentren medizinische Daten von Patienten und Informationen über deren Aufenthaltsorte im Krankenhaus zusammengeführt. Die Informationen werden dann ausgewertet. So können die komplexen Zusammenhänge der Infektionsübertragung aufgedeckt werden. Mediziner können dadurch schneller vorbeugende Maßnahmen ergreifen und weitere Erregerübertragungen reduzieren – zunächst innerhalb eines Krankenhauses, mittelfristig aber auch zwischen den Krankenhäusern. Für das Anwendungsbeispiel aus der Infektionskontrolle hat die UMG im HiGHmed-Konsortium die medizinische Federführung.

Videos

Die Medizininformatik-Initiative des BMBF – Daten gemeinsam nutzen

Mit rund 160 Millionen Euro fördert das BMBF von 2018 bis 2021 die digitale Vernetzung von Universitätskliniken und Forschungseinrichtungen. Der Animationsfilm zeigt, wie die Medizininformatik dazu beitragen wird, Krankheiten besser zu verstehen und wirkungsvoller zu behandeln. © BMBF


Medizininformatik: Ein Schatz, den es zu heben gilt

Das Deutsche Zentrum für Neurodegenerative Erkrankungen (DZNE) zeigt schon heute, wie die Digitalisierung die medizinische Forschung stark verändert. Hier sucht man mithilfe von Datenanalysen nach Wirkstoffen gegen Alzheimer oder Parkinson. © BMBF