Medizininformatik in Deutschland

Kardiologie

Im Bereich der Herz-Kreislauf-Erkrankungen hat die Gesundheitsforschung bereits große Erfolge erzielt. Trotz dieser Fortschritte zählen Herz-Kreislauf-Erkrankungen zu den drei häufigsten Todesursachen in Deutschland. Obwohl sich die medizinische Versorgung von Patienten mit Herzinsuffizienz stetig verbessert, ist ihre Prognose weiterhin schlecht. Dies gilt insbesondere für die vielen Betroffenen, deren Lebensqualität sich trotz medizinischer Versorgung weiter verschlechtert – wiederholte Krankenhausaufenthalte sind die Folge. Ob ein Patient zu dieser Risikogruppe gehört, lässt sich bislang kaum vorhersagen. Das HiGHmed-Konsortium will das ändern. Mithilfe innovativer IT-Lösungen wollen Medizininformatiker die auf viele Einrichtungen des Gesundheitswesens verstreuten Patientendaten zusammenführen – z.B. Daten über die Langzeitverläufe von Herzerkrankungen, die Art der Behandlung, erfolgte Operationen und zusätzliche Krankheiten. Die Analyse dieser Daten soll den Ärzten helfen, Risikopatienten künftig besser zu erkennen. Wenn das gelingt, können die Mediziner rechtzeitig Maßnahmen einleiten, um akuten Verschlechterungen der Herzgesundheit gezielt entgegenzuwirken und Krankenhausaufnahmen verhindern.
Um dies zu ermöglichen, bündelt das Konsortium HiGHmed die klinische und wissenschaftliche Expertise der Unikliniken Göttingen, Hannover, Heidelberg, Kiel und Würzburg. Kooperationen mit dem Deutschen Zentrum für Herz-Kreislauf-Forschung werden aufgebaut. Darüber hinaus beteiligen sich mehrere renommierte Industrie- und Start-up-Unternehmen an HiGHmed. Sie bringen ihr Know-how im Bereich der mobilen diagnostischen Geräte in das Konsortium ein. Dazu zählen implantierbare Sensoren oder tragbare Messgeräte. Sie können Daten zur Herzgesundheit auch im heimischen Umfeld der Patienten sammeln und an den Arzt übertragen. Automatische Analysen dieser Daten sollen den Medizinern helfen, Therapieentscheidungen schnell und zielsicher zu treffen.
Die Patienten bekommen in diesem Vorhaben eine neue Rolle als „Forschungspartner“. Sie können neben ihren klinischen Daten auch im Alltag selbst gemessene Werte sowie ihre persönlichen Eindrücke in die Forschung einbringen. Durch ärztliche Rückmeldungen zu ihren aktuellen Daten und zum Krankheitsverlauf profitieren die Patienten direkt von ihrer Beteiligung am Forschungsprozess.

Standorte

Ada Health GmbH
Medizinische Hochschule Hannover
Siemens Healthcare GmbH
Universitätsmedizin Göttingen
Universitätsklinikum Heidelberg und Medizinische Fakultät der Universität Heidelberg
Universitätsklinikum Schleswig-Holstein, Campus Kiel
Universitätsklinikum Würzburg und Julius-Maximilians-Universität Würzburg

Videos

Die Medizininformatik-Initiative des BMBF – Daten gemeinsam nutzen

Mit rund 160 Millionen Euro fördert das BMBF von 2018 bis 2021 die digitale Vernetzung von Universitätskliniken und Forschungseinrichtungen. Der Animationsfilm zeigt, wie die Medizininformatik dazu beitragen wird, Krankheiten besser zu verstehen und wirkungsvoller zu behandeln. © BMBF


Medizininformatik: Ein Schatz, den es zu heben gilt

Das Deutsche Zentrum für Neurodegenerative Erkrankungen (DZNE) zeigt schon heute, wie die Digitalisierung die medizinische Forschung stark verändert. Hier sucht man mithilfe von Datenanalysen nach Wirkstoffen gegen Alzheimer oder Parkinson. © BMBF